Liebe Eltern!
Sehr geehrte Patientin!
Sehr geehrter Patient!

Die Aufgabe der LogopädInnen in der Behandlung von Menschen mit einer Lippen-, Kiefer-, und/oder Gaumenspalte, eine Fehlbildung im Mund-, Kiefer-, und/oder Gesichtsbereich, ist umfangreich und beginnt mit der Zeit nach der Geburt.

Da die Spaltfehlbildung bei der Nahrungsaufnahme stören kann, möchten wir als LogopädInnen Ihnen Hilfestellungen dazu geben, z.B. welcher Sauger verwendet werden kann oder wie die Körperhaltung oder das Halten der Flasche modifiziert werden kann. Dazu empfehlen wir Ihnen auch Kontakt mit der Elternselbsthilfegruppe aufzunehmen, denn der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein. (link zu Selbsthilfegruppen, Adressen)

Später steht dann die Sprachentwicklung im Vordergrund. Tipps vor und nach den operativen Behandlungen können helfen, dass Ihr Kind die Strategien, die es für das Sprechen aufbaut, auch richtig verwendet und sich keine falschen Einprägungen (Gewohnheiten) festlegen.

Die Zeit des Kleinkindalters, des Vorschulalters und vor der Einschulung sollte intensiv therapeutisch genützt werden, damit Ihr Kind alle Schwierigkeiten, die es aufgrund der Spaltfehlbildung eventuell hat, in dieser Zeit überwinden kann.

Am Tag der Sprechstunde können Sie Fragen und Zweifeln klären. Regelmäßige Untersuchungen in der Logopädie Ihres Behandlungszentrums dienen dazu, die Sprach-, Sprech- und Stimmentwicklung Ihres Kindes (unserer Patienten in jedem Alter) zu begleiten und gegebenenfalls so zeitlich wie möglich therapeutische Maßnahmen zu setzen.

Wenn die nötige logopädische Behandlung aufgrund der Entfernung nicht im Behandlungszentrum stattfinden kann, empfehlen wir Ihnen, sich eine Logopädin in Ihrer Nähe zu suchen. Dazu können Sie die Homepage der „logopädieaustria“ verwenden. Wir helfen Ihnen gerne bei der Suche und würden gerne auch Kontakt mit der Kollegin/dem Kollegen aufnehmen.

 

Fragen zum Thema

Welche Schwierigkeiten können beim Säugling mit LKGS beim Trinken auftreten?
Isolierte Spaltbildungen der Lippe bzw. der Lippe und des Kiefers beeinträchtigen die Nahrungsaufnahme meist gar nicht.
Ist der Gaumen ebenfalls betroffen können folgende Probleme bei der Nahrungsaufnahme auftreten:
- Es besteht durch die Spaltbildung keine Trennung zwischen Mund- und Nasenraum. Dadurch kann in der Mundhöhle der für die Positionierung der Brustwarze oder des Saugers benötigte Unterdruck nicht aufgebaut werden.
- Die in die Gaumenspalte eingelagerte Zunge kann den Atemweg durch die Nase verlegen und dadurch kann es zu vermehrten Pausen während des Trinkens kommen.
Typische Folgen können sein: ein erhöhter Zeitaufwand, eine vermehrte Neigung Luft zu schlucken, Verlust der Milch durch die Nase und eine raschere Ermüdung.
Einige der Säuglinge können gestillt (link zu Stillberatung) andere mittels eines Trinksaugers ernährt werden. Eine sog. Gaumenplatte (Mund-Nasen-Trennplatte) kann bei manchen Kindern hilfreich sein. Nur bei ausgeprägten Trinkproblemen ist eine Ernährungssonde eventuell erforderlich.

Wer bietet bei Problemen hinsichtlich der Nahrungsaufnahme Unterstützung?
Spezialisierte StillberaterInnen, LogopädInnen und KinderfachärztInnen beraten Sie hinsichtlich:
- Stillhilfen
- Wahl des geeigneten Saugers
- Fragen zur Trinkdauer
- Spezielle Mundstimulationen
- Haltung beim Trinken

Wie kann die Spaltbildung das Sprechen beeinflussen?
Spaltbildungen die nur die Lippe bzw. die Lippe und den Kiefer des Kindes betreffen verursachen keine bis geringfügige Sprechauffälligkeiten. Sobald der Gaumen ebenfalls betroffen ist, können spalttypische Lautbildungsfehler und eine veränderte Stimmresonanz auftreten.

Wie kann das Sprechen des Kindes gefördert werden?
Durch gezielte logopädische Funktionsübungen kann die Sprechentwicklung ihres Kindes positiv beeinflusst werden (link zu Frühbetreuung). Anleitungen dazu gibt die im jeweiligen Spaltzentrum tätige Logopädin.

 


Chronologie der Entwicklung des Sprechens

- Säuglingsalter
- Kleinkind- und Vorschulalter
- Schulalter und Jugend
- Erwachsenalter

- Säuglingsalter:
In diesem Altersabschnitt spielt die logopädische Beratung der Eltern eine zentrale Rolle.
Das Trinken des Säuglings mit LKGS unterscheidet sich von dem eines Kindes ohne Spaltbildung wie folgt:

Trinken ohne Spaltbildung
Trinken mit einer Gaumenspalte
- Das Neugeborene saugt an der Brust oder an der Flasche und befördert die Nahrung mit Hilfe der Zunge in den hinteren Teil der Mundhöhle.
- Der weiche Gaumen wird angehoben und trennt somit Mund- und Nasenraum voneinander.
- Die Nahrung gelangt über den Rachenraum zur Speiseröhre und in weiterer Folge in den Verdauungstrakt.
Durch die fehlende Trennung von Mund- und Nasenraum wird die Nahrungsaufnahme erschwert:
- Das Ansaugen der Brustwarze bzw. des Flaschensaugers ist erschwert.
- Ein erhöhter Zeitaufwand wird für das Trinken benötigt.
- Der Säugling ermüdet schneller.
- Es besteht eine erhöhte Tendenz Luft zu schlucken.
- Nahrung kann in den Nasenraum gelangen.

Falls Ihr Kind die oben beschriebenen Probleme hat, wenden Sie sich bitte an die Logopädie und an die Stillberatung Ihres Behandlungszentrums.


Die Frühbetreuung beinhaltet:
• Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme (z.B. Haltung beim Trinken)
• Anleitung zu oralen Stimulationen (z. B. des Saugmechanismus)
• Indikationsstellung zur Anpassung einer Gaumenplatte (Mund-Nasen-Trennplatte) zur Verbesserung der Zungen- und Lippenlage (Bild)
• Elternberatung hinsichtlich der Sprach-/Sprechentwicklung und möglicher Abweichungen
• Erste Anregungen zur Förderung der Lippen- und Zungenbeweglichkeit
• Erste Anregungen zur Förderung der Lautbildung (z.B. Lippenspiele)
• Erste Anregungen zur Förderung der Stimmresonanz

- Kleinkind- und Vorschulalter:
Im Kleinkindalter treten die Entwicklung der Sprache und der Sprechmotorik in den Vordergrund.
Das Sprechen des Kindes mit einer LKGS kann unauffällig sein oder spaltspezifische Abweichungen in unterschiedlicher Ausprägung aufweisen:

Normale Sprechentwicklung
Mögliche Abweichungen des Sprechens
Die ungestörte mundmotorische Entwicklung führt zu einem korrekten Ablauf der Bewegungen beim Sprechen:
- Die korrekte Zungenposition am Gaumen ist eine Grundvoraussetzung für die unauffällige Lautbildung.
- Das intakte Gaumensegel ist Voraussetzung für die korrekte Luftführung beim Sprechen und ist somit auch für den unauffälligen Stimmklang verantwortlich.
Durch die Spaltbildung ist der Bewegungsablauf im Bereich der Lippen, der Zunge und des Gaumensegels beeinträchtigt:
- Die durch die Spaltbildung ausgelöste falsche Zungenpositionierung beeinflusst das Sprechen so, dass z.B. ein /t/ wie ein /k/ oder ein /l/ an einer falschen Position gesprochen werden (die Kompensatorische Artikulation).
- Das zu straffe, unbewegliche, oder zu kurze Gaumensegel, kann zu einer übermäßig starken Nasalität führen, die Hypernasalität.

In der Begleitung der Entwicklung des Sprechens Ihres Kindes mit einer LKGS-Fehlbildung ist es wichtig, dass Ihr Kind zu jährlichen logopädischen Kontrollen in Ihr Behandlungszentrum kommt.

- Schulalter und Jugend:
Wenn trotz der intensiven vorschulischen logopädischen Therapie noch Aussprache- oder Stimmprobleme bestehen bleiben, wenden Sie sich bitte an das Behandlungszentrum, um weitere therapeutische und/oder chirurgische Maßnahmen in die Wege zu leiten.
• Die regelmäßige Kontrollen bei der Logopädin im Behandlungszentrum, sollten am besten jährlich (fakultativ) erfolgen.
• Weiterhin bestehende Aussprache- und Resonanzfehler sollten von einer Logopädin/ einem Logopäden vor Ort behandelt werden.
• Während der Kieferorthopädischen Behandlung (link zur Kieferorthopädie) ist mitunter eine sog. myofunktionelle Therapie (MFT) notwendig, um noch bestehende Probleme wie Mundatmung, Zungenstoß oder schlaffe Mundmuskulatur zu beheben.
• Allfällige Gespräche mit LehrerInnen oder KollegInnen können auf Wunsch geführt werden.
• Eine psychologische Beratung und/oder Betreuung kann mitunter hilfreich sein.

- Erwachsenalter:
• Im Erwachsenenalter noch bestehende Auffälligkeiten der Resonanz (Stimme zu nasal) und der Artikulation (Aussprache undeutlich) sollten im Team des Behandlungszentrums besprochen werden.

SPRECHAUFFÄLLIGKEITEN BEI LKG-SPALTEN

1. Kompensatorische Artikulation
2. Sprachentwicklungsverzögerung
3. Zu starke nasale Stimmresonanz
4. Hörbarer Luftverlust durch die Nase beim Sprechen
5. Unspezifische Konsonantenbildung
6. Stimmstörung
7. Zischlautstörung durch Zahnfehlstellung
8. Zu geringe nasale Stimmresonanz
9. Veränderte Stimmlage (zu tiefe oder zu hohe Stimme)
10. Sprachstörungen verursacht durch Hörstörungen oder Hörverminderung nach wiederholten
Mittelohrentzündungen
11. Kommunikative Beeinträchtigungen durch Grimassieren oder Mitbewegungen der
Gesichtsmuskulatur

Kompensatorische Artikulationen werden so genannt, weil sie falsch platzierte Lautproduktionen sind. Es sind Lautbildungen, die auch nach erfolgreichen Gaumenoperationen und gutem Management des Velopharyngealen Abschlusses (Gaumensegel-Rachenhinterwand-Abschluss) weiter existieren und sogar parallel zu den korrekten Lautbildungen erhalten bleiben können. Meistens sind es rückverlagerte Laute.

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Normale und rückverlagerte Artikulation[ k/g ]
Quelle: Wulff, H. (1983) Diagnose von Sprach- und Stimmstörungen, S. 63, Reinhardt Verlag.

Frühbetreuung (0 - 2 ½ bis 3 Jahre)
• Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme
• Anleitung zur orofazialen Stimulation (z. B. des Saugmechanismus)
• Elternberatung hinsichtlich der Sprach-/Sprechentwicklung und möglicher Abweichungen
• Erste Anregungen zur Förderung der Lippen- und Zungenbeweglichkeit
• Erste Anregungen zur Förderung der Stimmresonanz

Literaturempfehlungen:

MASARACCHIA, Regina (2005): „Gespaltene Gefühle. Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten: ein Elternratgeber.“ Oesch Verlag. ISBN 3-0350-3007-3

NEUMANN, Sandra (2002): „Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Spalten. Ein Ratgeber für Eltern.“. Schulz-Kirchner Verlag. ISBN 3-8248-0365-8

MOROWSKA, Ewa (2005): „Wau,wau,miau und kikeriki“. Unterhaltsame Sprechübungen für Kinder 3. Veritas Verlag. ISBN 3-7058-5527-1

MOROWSKA, Ewa (2003): „Fauchen wie ein Drache“. Unterhaltsame Sprechübungen für Kinder 2. Veritas Verlag. ISBN 3-7058-5513-1

HERZOG-ISLER C., HONIGMANN, K. (1996): „Lasst uns etwas Zeit. Wie Kinder mit einer Lippen- und Gaumenspalte gestillt werden können.“ Medela AG - Sonderausgabe, Medizintechnik, Lättichstr.4, CH- 6341 Baar

Links:

www.lkg-selbsthilfe.de Wolfgang Rosenthal Gesellschaft
www.lkgs.net Forum für Eltern
www.cleftnet.de Information für Betroffene und Therapeuten
www.widesmiles.org englischsprachige Informationsseite

 


Interdisziplinäre Gestaltung der Gaumenplatte (MKG-Chir. Salzburg)

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Mag. phil Burgi Wallner
Universitätsklinik Innsbruck
Anichstraße 35
6020 Innsbruck
E-mail: burgi.wallner@uki.at
Tel.: +43 (0)512 504-5227

MSc. Log. Bianca Specht-Moser
Univ.-Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirugie
Paracelsus Medizinische Privatuniversität
Universitätsklinikum Salzburg
Müllner-Hauptstr. 48
A-5020 Salzburg